Gelungener Fußball-Ersatz

Was passiert, wenn man bei einem wichtigen Spiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Herren einfach mal in den Wald geht? 

Ganz Deutschland war am Sonntag, den 26. Juni im Fußball-Fieber? Nicht ganz, denn in den Mittagsstunden nach Verrichtung der familiären Pflichten in Form zweier selbst erstellter Pizza-Bleche (Salami+Paprika und eine klassische Tonno mit Zwiebeln) tat ich noch vor dem Dessert kund, dass ich die Ruhe im Taunus nutzen möchte, anstatt mich schreiend vor die Glotze zu hängen.

Gesagt getan. Schwankend noch ob der Überlegung, ob es ein kleiner Tagesrucksack sein sollte oder mehr packte ich mir schließlich meinen Tashev Kentaurus, nahm ein wenig mehr Eigengewicht des Rucksacks in Kauf für ein optimales Tragesystem und machte mich auf die Wandersocken.

Die Tour begann in der Nähe der Rambacher Grillhütte. Von dort hatte ich erst überlegt, dem 6 Km langen Rundweg mit dem Hirschgeweih zu folgen. Leider waren die entsprechenden Beschilderungen nach einer kurzen Strecke wohl entfernt worden und ich fand mich auf einem größeren Anstieg weiter westlich schon ein paar hundert Meter neben dem Rundweg wieder. Also entschied ich mich, weiter nach Norden zu laufen und dort nach einer in meiner Karte eingezeichneten Quelle in der Nähe einer Lichtung zu suchen.

Am oberen Rand der mit mehreren Hochsitzen bestückten Lichtung (… treffen sich zwei Jäger …) lockte eine Holzbank, das atemberaubende Panorama auf Wiesbaden und das Main-Tal zu genießen. Mir war es aber noch zu früh für eine längere Pause. Also weiter auf dem Weg nach Westen, immer der sich schon langsam neigenden Sonne hinterher. Nach kurzer Zeit befand sich am Wegesrand ein Ameisen-Hochhaus in Form eines etwa 1,40 m hohen Baumstumpfs, der von den kleinen Insekten schon völlig zerlöchert war. Überall darunter lagen fast orange Späne herum und bildeten Rampen für den Aufgang in höhere Stockwerke. Die kleinen Arbeiter schleppten Futter in den Bau und andere waren weiter mit dem Ausbau beschäftigt. Lustig war, wenn letztere den “Abraum” einfach nach unten warfen und man dann herunter kugelnde Ameisen mit erheblicher und nicht losgelassener Packlast sehen konnte.

Stille herrschte im Wald anfangs noch nicht. Leider waren doch noch einige Mountain-Biker unterwegs, die über knackende Zweige ihren Geschwindigkeitsrausch ausleben mussten. Doch mit vorrückender Zeit nahte der Zeitpunkt des Anpfiffs und der Wald leerte sich komplett. Mein Spiel auf Abseits wurde zwar noch durch einen kurzen Regenschauer getrübt (bei weitem nicht so stark wie im Deutschland-Slowakei-Testspiel), aber dies wurde durch ein schnelles Vorrücken eines Rehs über meine linke Flanke wieder Wett gemacht.

An der Hütte am Hassel war etwa die Halbzeitpause erreicht und auch ich genoss die Erholung auf einer harten Holzbank. Kreativität und geschickte Kombinationsgabe brauchte ich nicht für ein regelmäßig platzendes Spielgerät sondern für meine Bushcraft Essentials Bushbox. Da ich mir keinen vernünftigen Zunder zuvor zusammen gesucht hatte, war es etwas schwierig, Feuer und Leidenschaft ins Spiel zu bringen. Doch das Runde in Form meines Alu-Topfes sollte auf das Eckige. Also träufelte ich ein wenig Sterillium auf ein paar Blätter Toilettenpapier, verzierte dies mit entrindeten und angeschnitzten Zweigen in Weihnachtsschmuck-Anmutung – los ging es.

Feuer hat für mich immer etwas besonderes. Und ein heißes Süppchen in der Abgeschiedenheit war ein echter Volltreffer. Also verging die Zeit recht schnell, bis mir eine Nachricht auf dem Smartphone verriet, dass Deutschland 3:0 gewonnen hatte. Ein Grund zur Freude, aber der Gang in den Wald hatte sich trotzdem wirklich gelohnt.

 

Foto: (c) Hape Bolliger, Pixelio.de

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