Camino de la Costa 01: Motivation

Wie kommt man eigentlich dazu, mit einem tschechischen Atheisten über 1000 Kilometer ins Baskenland zu fahren, um dann hunderte Kilometer durch Nordspanien zu pilgern?

Vor gut einem Jahr saß ich in Wackernheim bei Mainz auf dem Hoffest meines Noch-Arbeitgebers auf einer Bierzelt-Bank im Gespräch mit meinem Noch-Kollegen Vasek aus Šumperk in der Tschechischen Republik zusammen. Wir genossen ein paar Caipirinhas und brüllten uns mehr oder weniger an – um die Klänge der Band, in der meine Noch-Chefs die Gitarre und das Schlagzeug geräuschvoll bedienten, zu übertönen.

Meine Kündigung war, nachdem ich über einen Headhunter einen neuen Job in Frankfurt vermittelt bekam, gerade durch – trotzdem war ich noch auf der Feier eingeladen, die im Innenhof des gemeinsam von den Familien meiner Chefs bewohnten ehemaligen Bauernhofs stattfand.

Nachdem ich mit Vasek im Rahmen einiger Projekte – ich als Projektmanager, er als Leiter des Entwicklerteams – intensiv zusammengearbeitet hatte und wir uns auch einige Male bei den Team-Tagen der Firma trafen, war er interessiert, was ich so neben meinen beruflichen Dingen auch privat machen würde. So erzählte ich ihm von meiner Absicht, auf dem Jakobsweg zu pilgern.

Wie kam es zu dieser Intention?

Ganz am Anfang hatte ich noch gedacht, der Jakobsweg wäre ein etwas schwieriger Trail irgendwo in den Bergen von Spanien. Das Land selbst hatte mich als “Italiano in Spirito” bislang wenig interessiert, das änderte sich erst, als ich die ersten Projekte für den spanischen Autobauer SEAT gemacht hatte.

Über meine Pfadfinderarbeit kam ich als Vorbereitung auf einen Workshop zu Kompass und Karte schon vor einiger Zeit auf den Youtube-Kanal von Sacki, der sich mit Bushcraft und Outdoor befasst. Hier belebte sich meine Leidenschaft für das Wandern neu. Über das Suchwort “Wanderlust” fand ich den Blog und Kanal von Dixi, einer jungen Frau aus den USA, die nach dem Apalachian Trail (AT) und dem Pacific Coast Trail (PCT) nun mit dem Continental Divide Trail (CDT) den dritten großen US-Fernwanderweg macht. Sie hat im Laufe ihrer Wanderungen eine unglaubliche Entwicklung gezeigt, was mich immer wieder schwer beeindruckte. Dies hat mich inspiriert, das auch einmal anzugehen. Relativ schnell kam ich also auf die Fernwanderwege Europas und auch auf das Hörbuch von Hape Kerkeling.

Mich hat aber etwas abgeschreckt, dass der Camino Frances so überlaufen sein soll. Daher bin ich auf den Camino de la Costa gestoßen, auf dem auch mein Kollege Philipp aus meiner neuen Firma gelaufen ist und der natürlich bei mir direkt gegenüber im Büro saß. Er lieh mir seinen Wanderführer und die Sache war für mich klar. Und wenn es noch des letzten Funken Motivation gefehlt hätte, dann hat Tobi von Treat of Freedom mit seinem Reisebericht über den Camino de la Costa auf seinem Youtube-Kanal mir “den Rest gegeben.”

Alt werden ist nichts für Weicheier. Und bei mir stand mit dem 50. der nächste runde Geburtstag an. Ich konnte mir nicht vorstellen, so wie mein Vater in einem Dorfgemeinschaftshaus mit Familie und Freunden und Band groß zu feiern. Ich wollte mir die Zeit mit mir selbst und für die Gedanken zu einem neuen Lebensabschnitt schenken. Mein Wiegenfest möchte ich also mit netten Menschen aus verschiedenen Ländern und Generationen feiern, die mir der liebe Gott an diesem Tag in irgendeiner Pilgerherberge in Kantabrien zusammenwürfelt.

Mein Kollege Vasek erzählte mir im weiteren Verlauf des Hoffestes in Wackernheim, dass er auch schon seit längerem den Jakobsweg angehen wollte. So war der Rest des Abends von den ersten Planungen bei zunehmender Weinseligkeit geprägt. Wider Erwarten überlebte die Idee des gemeinsamen Pilgerns den morgendlichen Kater und wir planten über Skype und WhatsApp weiter gemeinsam an der Reise, die nun am 8. September um 6 Uhr morgens starten sollte.

Ich freue mich drauf … Buon Camino!


Willst Du wissen, wie es losgeht nach Irun? Hier ist der Bericht über unsere Anreise zum Camino de la Costa.

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