Camino de la Costa 06: Von Zumaia nach Arnope (17,6 km)

12. September 2018. Mangels falscher Ausrüstung entgehen wir drohenden Stierkämpfen, ich ermogele mir den Weg nach Deba, wir trinken Wein aus Biergläsern und erleben alaskanische Sägekunst.

Von Zumaia aus brachen wir in der einsetzenden Morgendämmerung auf. Beim steilen Anstieg, der zu einem Rastplatz führte, trafen wir Katrin wieder, die gerade Fotos von einer schönen Aussicht schoss. Zusammen gingen wir weiter zu dem besagten Rastplatz, um unser alles andere als ausgewogene Bananen-Frühstück einzunehmen.

Blümchen überall
Keine Dürre im Baskenland sondern Blümchen überall

Nach kurzer Zeit trat auch Jenny hinzu, während sich Katrin mit einem kleinen Kätzchen beschäftigte, das wohl vom nahen Bauernhof stammte. Bei Jenny regten sich schon sehr schnell die Hummeln im Hintern und sie teilte uns sehr ambitioniert mit, dass sie weit über unser Ziel Arnope hinaus laufen wollte, daher blieb sie nur kurz bei uns und eilte strammen Schrittes davon.

Katrin überzeugte uns, ab Elorriaga nicht dem offiziellen Jakobsweg zu folgen, sondern dem laut des gelben Führers “herrlichen, aber teilweise problematischen Küstenweg”. Dieser war wieder in Weiß und Rot markiert, also galt wieder das Motto “do it the polish way.”

Schroffe Küste am Küstenweg
Schroffe Küste am Küstenweg, abseits des Camino

Wie angekündigt sollte dieser Weg kein leichter sein, er war steinig und schwer. Bei Regen wäre es nahezu unmöglich gewesen, ihn zu laufen. Bei dem herrlichen Sonnenschein und erneuter Atlantik-Brise bot er uns aber wieder viele schöne Ausblicke.

Am Anfang liefen wir noch mit Katrin zusammen, sie wollte dann aber bald alleine weiter laufen und so gingen wir voran.

Auf und nieder, immer wieder
Auf und nieder, immer wieder – bis nach Deba

Teilweise führte der Weg durch Kuhwiesen, die auch mit – glücklicherweise relativ trägem – Hornvieh bevölkert waren. Da wir auch heute keine Torrero-Mäntel über den Rucksäcken trugen, kam es zu keinen spontanen Stierkämpfen. Merke: Vermeide große rote Handtücher auf dem Camino de la Costa! So ging die größte Gefahr nur von den zahlreichen Kuhfladen aus.

Die zahlreichen Aussichtspunkte auf das Meer und die in der Brandung liegenden geologischen Gesteins-Formationen waren bombastisch, sie mussten aber stets mit steilen An- und Abstiegen erarbeitet werden. Beides ging mir an diesem Tag gehörig auf den Sack und ich stellte mir und verwarf die Sinnfrage.

Kurz vor Deba sahen wir auf einer Bank sitzend ein Pärchen an uns vorbei laufen. Aus den Gesprächsfetzen, die an mein Ohr drangen, konnte ich entnehmen, dass sie aus Bochum gekommen sein mussten. Ich hatte aber keine Lust, mich als Ex-Bewohner der Stadt, da wo die Sonne verstaubt, zu outen, sondern blieb inkognito.

An der Straße mit dem schönen Namen “Mogel Kalea” in Deba angekommen ermogelte ich mir mit Hilfe der dort in einer Kaskade angeordneten Fahrstühle den Weg nach unten. Vasek blieb dagegen dem wahren Weg treu.

Der letzte steile Abstieg nach Deba
Der letzte steile Abstieg nach Deba

Unten im Ort überfielen wir erst mal einen total vollgestopften Tante-Emma-Laden, in dem aber ein älterer Onkel mir einen Trinkjoghurt und ein paar Bananen verkaufte. Nach dem schnellen Protein-Kick mit einem Schuss Kalium konnte es weiter gehen und wir landeten in einem sehr verranzt aussehenden Döner-Laden. Doch der Schein trog sehr, denn der von Vasek und mir georderte vegetarische Kebab mit echtem, aber recht mildem Schafskäse mundete gar prächtig. Durch ein Schoko-Eis am Stil waren wir so richtig gut gesättigt.

Mit frischer Kraft konnte es weiter in Richtung Arnope gehen. Dies bedeutete das Erklimmen von weiteren 250 Höhenmetern, natürlich nicht gleichmäßig sondern mit viel auf und ab.

Ein letzter steiler Aufstieg auf einer Asphaltstraße, dann standen wir noch nicht vor der Herberge, sondern vor einem Stall mit Hängebauchschweinen, der zu der Herberge dazu gehörte. Die Herberge selbst war eine ehemalige Scheune, die in eine Bar, zwei Schlafsäle ohne Fenster und eine Küche sowie Dusch- und WC-Bereiche für Männlein und Weiblein umgebaut war.

Muffige Herberge und muffige Hospitaleras
Muffige Herberge und muffige Hospitaleras

Im Gebäude war es muffig feucht und warm, wir trugen unseren Teil mit einer schönen Dusche bei und wuschen unsere Wäsche draußen, wie uns dies von der resoluten und kettenrauchenden Hospitalera so geheißen, bzw. eher befohlen war.

Während sich also der Pilgerschweiß aus den Funktionsfasern löste, sah ich Katrin mit zwei weiteren deutschen Pilgerern, einem jungen Pärchen, herankommen. Sie sagte, es wäre ein wenig wie nach Hause kommen, wenn man gleich bekannte Gesichter sehen würde. Ich für meinen Teil war schon ein klein wenig erleichtert, sie zu sehen, weil der Küstenweg ja nicht so ganz einfach zu gehen war.

Nach Abschluss der täglichen Besorgungen, dem Schreiben ins Tagebuch und ein wenig herumdösen war es immer noch zu früh, um ins Bett zu gehen. Also setzten wir uns noch auf die Terasse, schnabulierten einen miesen Rosato und einen mehr als passablen Rioja-Rotwein aus Biergläsern. Diese bekamen wir von der bürstenhaarigen Kettenraucherin zu der georderten Flasche nur auf ausdrücklichen Wunsch, an Weingläser nicht zu denken, die waren für die Gäste, die sich nur ein Glas Wein bestellten.

Wir stießen mit Nico und Peter an, zwei lustigen Kerlen aus Australien, die uns auch noch in den nächsten Tagen wieder über den Weg laufen sollten. Auch sie schüttelten ihre Häupter wegen der bizarren Glaspolitik des Hauses. Aber jetzt hatten wir mit den beiden eine tolle Zeit und lachten viel, speziell über die dicken Amerikaner aus Alaska, die sich später in der Nacht nach ausdrücklicher eigener Drohung als Superschnarcher entpuppten. Bei mir prallte das aber an meiner Müdigkeit, der Weinschwere und den Ohrstöpseln Made in Germany ab.

Fazit des Tages: Steile Anstiege, wenn sie gehäuft kommen, können schon auf die Nerven gehen. Abstiege auch.

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